Zivilcourage und Hochseilgarten oder Politische Bildung trifft auf Kommunikation

Wiesinger Hermann am 21.2.2012
„Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen“ (Franca Magnani, 1925 – 1996).

Glücklicherweise braucht unser Land zurzeit keine Helden, und damit dies auch so bleibt, leisten die Ludwig Schwarz Schulen einen kleinen Beitrag. Seit 2010 wird im Unterrichtsfach „Politische Bildung“ Zivilcourage als Thema bearbeitet. Angeleitet von externen TrainerInnen des Mauthausen – Komitees erfahren und lernen die SchülerInnen Zivilcourage als sichtbares Engagement aus Überzeugung. Engagement gegen die Diskriminierung von Randgruppen und „Benachteiligten“ einer Gesellschaft, sowie Engagement für die Achtung der Menschenwürde. Aus der Abstraktheit normativer Grundlagen demokratisch verfasster, rechtsstaatlicher Zivilgesellschaften herausgenommen, bedeutet somit Zivilcourage je nach individuellen Handlungsfeldern für jeden Menschen etwas anderes. Doch für alle gleichbedeutend sind der Mut, etwas zu tun, und die Kompetenz, das Richtige zu tun. Egal ob nun ein Kind seine „gesunde Watschn einfängt“ oder SchülerInnen im Praktikum möglicherweise eine nicht mehr ganz so zeitgemäße Behandlung von alten Menschen oder Menschen mit Behinderung erleben. Zum rechten Zeitpunkt das Gute und das Richtige gut zu tun, erfordert aber nicht nur Orientierung an humanitären und demokratischen Werten, sondern auch die Überzeugung, die notwendigen Strategien und Kompetenzen zu besitzen, um konstruktiv handeln zu können.

Empathie und Kongruenz oder Reflexion- und Konfliktfähigkeit oder auch Selbst- und Fremdverantwortung durch Selbstvertrauen sind Kompetenzen, die im Unterrichtsfach Kommunikation methodisch vielfältig vermittelt werden. Eine mögliche Methode ist der Besuch eines Hochseilgartens oder das Bezwingen eines Klettersteiges. Hier müssen selbstbestimmt Entscheidungen getroffen werden. Egal ob „ja“ oder „nein“, getroffen müssen sie werden. Selbstverantwortung kann nur durch selbstbestimmtes Handeln entstehen und bildet damit die Grundlage für eigenverantwortliches, couragiertes Handeln. In großer Höhe müssen die SchülerInnen auf sich aufpassen und sie müssen auch auf ihre Partner Acht geben. Ebenso müssen sie erkennen und kundtun, bei welcher Belastung sie auf ihre Partner nicht mehr aufpassen können.
Im Mittelpunkt steht deshalb immer, dass das Eingehen von Risiken einen gewissen Reiz und für die Entwicklung personaler Kompetenz einen hohen Stellenwert hat. Im Blickpunkt liegt somit auch die Kompetenz, die es braucht, um mit den Herausforderungen neuer Situationen umzugehen. Standardisierung, Normierung und Klassifizierung mögen für mechanische Systeme (Rollstühle, Hebelifte,…) durchaus ihre Berechtigung haben. Sobald es aber um die Menschen in den Rollstühlen oder Hebeliften geht, sind es die Selbstwirksamkeit sowie die Kreativität, die BetreuerInnen helfen, schwierige Situationen zu meistern. Wenn MitarbeiterInnen in der Einzelbetreuung Panikzustände oder (autodestruktive) Aggressionen ihrer Klienten erleben, wird das Nachdenken über Klassifikationssysteme wie DSM-IV oder ICD-10 kaum hilfreich sein. Couragiertes Handeln, basierend auf erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten als Menschenbild könnte da schon bessere Erfolge bringen. Sowohl im Beruf als auch im „zivilen“ Umfeld.

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